Ein Job, der gut mit der Familie vereinbar ist

Nicole Dima aus Stetten am Heuchelberg stellt in Gemmingen die Kraichgau Stimme zu – Arbeit an der frischen Luft und nette Begegnungen 5 Uhr in Gemmingen

Nicole Dima parkt ihren roten Kleinwagen auf dem Parkplatz des Gemminger Nahversorgers Willig. Die Uhr zeigt Viertel vor Fünf, der frühe Morgenhimmel hüllt sich fast noch in Dunkelheit, doch das wird sich innerhalb der kommenden Stunde minütlich ändern. Unter einer überdachten Fläche lagert bereits das Bündel druckfrischer Tageszeitungen. Die Zustellerin der Kraichgau Stimme schnappt sich den Zeitungswagen, der ebenfalls vor Ort ist. Dann packt sie die Zeitungen unter die Plane des Trolley und geht los. Etwa eine Stunde benötigt die 44-Jährige, um rund drei Kilometer Laufstrecke zurückzulegen.

Nicole Digma
Frühaufsteherin: Nicole Dima aus Stetten am Heuchelberg stellt im Südwesten Gemmingens die Kraichgau Stimme zu. Die 44-Jährige startet mit ihrer Runde auf dem Parkplatz des Nahversorgers Willig. Foto: Jörg Kühl

Die Route startet in der Rainastraße. Dann folgen Wannenweg, Fasanenweg und Fuchspfad. Alle paar Meter tritt die Zustellerin an einen Zaun heran, um die Zeitung in die Röhre, beziehungsweise in den Briefkasten zu stecken. Manchmal muss sie das betreffende Grundstück betreten, weil der Briefkasten näher am Haus befestigt ist. „Normalerweise habe ich die Leser alle im Kopf, außer wenn Urlaubszeit ist“, berichtet Nicole Dima, die in Stetten am Heuchelberg lebt. Dann nämlich kann die Zustellung während der Abwesenheit unterbrochen werden. Zum Zeitungsaustragen kam die gelernte Bürokauffrau, weil ihre Schwiegermutter seit vielen Jahren in Stetten Zustellerin ist. „Mein Job hier war eigentlich als Übergangslösung gedacht, doch ich bin dabeigeblieben“, berichtet sie. Das Zustellgeschäft sei mit ihren Bedürfnissen als Mutter zweier Töchter (18 und 15) immer gut vereinbar gewesen. „Wenn die Kinder aufwachten, war ich längst wieder zu Hause.“ Seit mehr als zehn Jahren trägt sie die Zeitung nun in einem Zustellbezirk aus. Der befindet sich südwestlich der L592, die Gemmingen als Hauptstraße durchzieht. Was sie am Austragen schätzt, ist die Arbeit draußen, an der frischen Luft. „Man hört morgens die Vögel singen.“ Der Gang durch den Zustellbezirk sei „ein bisschen Zeit für mich“. Hier und da ergeben sich auch nette Begegnungen: Leute, die mit ihren Hunden die erste Gassirunde drehen, Berufspendler, Kollegen anderer Zustellbezirke. „Ein Leser wartet immer schon und kommt mir ein Stück entgegen, um meinen Weg abzukürzen“, erzählt Nicole Dima. Die fünf, sechs Leute, auf die sie regelmäßig trifft, kennen sich bereits. Angst vor weniger netten Begegnungen habe sie höchstens im Winter, wenn es in der Früh noch stockfinster ist.

Das Wetter kann der zweifachen Mutter wenig anhaben. „Wenn es regnet, gehe ich mit dem wasserdichten Poncho auf meine Runde.“ Einmal habe es so stark gewindet, dass mindestens zehn Zeitungen auf- und davongeflogen waren. Weil die Exemplare dabei auch nass wurden, fehlten am Ende einige Zeitungen. Für weniger dramatische Fälle hat Nicole Dima immer zwei Ausgaben als Reserve dabei. Damit die Zeitungen sicher beim Leser ankommen, versucht die Zustellerin stets, die Exemplare möglichst vollständig in die Rolle oder in den Briefkasten einzustecken.